Camper Ausbau – neues TÜV-Merkblatt mit Umbaurichtlinien fürs Wohnmobil

Camper Ausbau – neues TÜV-Merkblatt mit Umbaurichtlinien fürs Wohnmobil


Camper Ausbau in Eigenregie – Der Kauf eines neuen Wohnmobils ist in der Regel eine teure Angelegenheit. Deshalb entscheiden sich viele für einen günstigeren Wohnmobilausbau. Hochdachkombis oder Vans bieten die richtige Plattform und sind günstig gebraucht zu kaufen. Doch wer sein Fahrzeug selbst ausbauen will, muss einiges beachten. Der TÜV hat kürzlich ein überarbeitetes Merkblatt zu diesem Thema veröffentlicht.

TÜV SÜD informiert: Wissenswertes zum Camper Ausbau | Campingnews Wochenrückblick 14/2022

Das Reisemobil erlebt einen regelrechten Boom. Unterwegs zu sein in den eigenen vier Wänden ist immer mehr Ausdruck von Freiheit und Individualität. Mit einem eigenem Bett und einer ausgestatteten Küche ist der Urlaub auch noch relativ Corona sicher.


Der Anteil der Wohnmobile auf den Prüfgassen von TÜV SÜD hat in den vergangenen Monaten ordentlich zugenommen. Das gilt besonders auch für Hochdach-Kombis oder Transporter, die zur Begutachtung nach einem Umbau zum Wohnmobil vorfahren.

Karsten Graef, Division Mobility bei TÜV SÜD

Eines steht fest: der eigene Camper Ausbau spart nicht nur Geld, sondern bietet auch den Vorteil, dass man alles genau nach den eigenen Vorstellungen gestalten kann. Der TÜV-Verband hat kürzlich ein überarbeitetes Merkblatt zu den einzuhaltenden gesetzlichen Vorgaben veröffentlicht.

Sitze, Betten, Kochgelegenheit…, das Merkblatt bietet Orientierung und eine Zusammenfassung der geltenden Vorschriften, Richtlinien und Standards. Ganz grundsätzlich ist es trotzdem sinnvoll, die Umbaupläne in der Fachwerkstatt zu besprechen – auch wenn es online unzählige Umbauanleitungen gibt.

Karsten Graef, Division Mobility bei TÜV SÜD

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Kochen und schlafen im selbst ausgebauten Camper

Ein Camper ist im Grunde ein Pkw. Zum Camper wird er, wenn er mit Tisch, Bett, Kochgelegenheit und Staufächern ausgestattet ist.

Wer einen entsprechenden Camper Ausbau plant, sollte sich im Vorfeld über seine Bedürfnisse, die Innenausstattung, den Platz, aber auch die Fahrtrouten im Klaren sein.

Prinzipiell sind alle Fahrzeuge für den Umbau geeignet, allerdings sollte die 3,5-Tonnen-Grenze aufgrund der am weitesten verbreiteten Führerscheinklasse B beachtet werden.

Wer mehr Platz haben möchte, benötigt einen Lkw-Führerschein für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen oder einen alten Führerschein der Klasse 3 (bis 1. Januar 1999), mit dem man Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen fahren darf.

Vorgaben bei Anpassungen an der Karosserie

Möchte man die Karosserie anpassen und sein Fahrzeug aus- oder umbauen, so muss man sehr viele Vorgaben beachten. Das Spektrum reicht von der Festigkeit des Aufbaus über die Wahl der Materialien bis hin zu Einstiegen, Fluchtwegen, Fenstern oder Lüftung.

So müssen beispielsweise schwer entflammbare und splitterfreie Materialien verwendet werden. Sind Fahrerkabine und Wohnbereich voneinander getrennt, muss die Kommunikation zwischen beiden gewährleistet sein


Eingänge sollten auf der straßenabgewandten Seite verwendet werden und natürlich sicher zu benutzen sein. Wichtig ist auch, dass stets für ausreichend Frischluft gesorgt ist – die Vorgaben dazu sind im TÜV-Merkblatt detailliert zusammengefasst.

Als Besonderheit gilt der Aufbau von Aufstelldächern. Hier sollte man, falls möglich, eine Fachwerkstatt zur Rate ziehen.

Dabei immer eine Fachwerkstatt mit einbeziehen, weil große Teile der Dachstruktur durchschnitten werden müssen und dabei penibel auf Herstellervorgaben geachtet werden muss.

Wenn eine Fachwerkstatt das ‚Himmelbett‘ draufgebaut hat, ist auch gewährleistet, dass das Auto dicht ist, nichts klappert oder knarzt.

Karsten Graef, Division Mobility bei TÜV SÜD

Der Fenster-Einbau hingegen ist auch für den geübten Laien möglich – vorausgesetzt, es werden alle Regeln beachtet. So müssen zum Beispiel alle Scheiben für den jeweiligen Zweck zugelassen sein und die Ausschnitte dafür dürfen nur an den zugelassenen Stellen vorgenommen werden.

Wohnliches Ambiente im Camper Ausbau wie Zuhause

Ein Tisch, ein Bett, Stauraum gehören dazu, damit das Fahrzeug zu einem Wohnmobil wird. Bei der Innenraumgestaltung sind der Fantasie fast keine Grenzen gesetzt.

Bei den verwendeten Werkstoffen muss erneut auf den Brandschutz geachtet werden. Im Sinne der Unfallverhütung ist darauf zu achten, dass keine Kanten, hervorstehende Teile oder gar enge Durchgänge zu Verletzungen führen können.

Das gilt zum Beispiel auch für die Griffe von Schubladen oder Schranktüren. Diese sollten versenkbar sein und nicht hervorstehen.

Eine Kochgelegenheit gehört zur Mindestausstattung des Wohnmobils. Besonders beliebt sind dabei Gaskocher.

Diese müssen fest installiert sein. Hier gibt es einiges zu beachten, was für den Laien nicht so einfach zu überblicken ist und einer Bestätigung durch einen Gassachverständigen nach DVGW-Arbeitsblatt G 607 bedarf.

Hier kommt die Fachwerkstatt ins Spiel. Als kostengünstige Alternative werden daher oft mobile Herde mit einer Gaskartusche am Gerät installiert.

Diese sind jedoch oft nicht für die feste Installation geeignet und zugelassen und auch nicht für das Kochen in Innenräumen.

Da auch sie fest installiert werden müssen, greifen viele auf die ausziehbare Variante im Heck des Fahrzeugs zurück.

Dabei wird der auf einer Ausziehplatte fest installierte Kocher bei geöffneter Heckklappe aus dem Fahrzeug gezogen. Die geöffnete Klappe kann auch als Sonnen- oder Regenschutz dienen.

Nach Gebrauch und vor dem Einzug unbedingt die Gaskartusche aus dem Kocher herausschrauben und an einem besonders sicheren Ort verstauen. Hinweis des TÜV SÜD-Experten:

Insgesamt gilt bei Gasanlagen die DIN EN 1949:2011 für Flüssiggasanlagen in Wohnmobilen. Für die Kartuschen-Kocher ist diese jedoch nicht anzuwenden.

Kochherde, die mit Spiritus oder Diesel betrieben werden, sind ebenfalls erlaubt. Wie die Gasvarianten müssen auch sie fest installiert sein und den Vorschriften für Innenräume entsprechen. Für die Luftzufuhr gelten die gleichen Regeln wie z. B. für Zusatzheizungen.

Und wie sieht es mit dem Strom im mobilen Heim aus?

Beleuchtung zum Lesen oder Spielen, zum Haartrocknen, für die Kaffeemaschine oder vielleicht sogar für einen Fernseher – das funktioniert am besten mit einer 230-Volt-Versorgung.

Die Stromversorgung erfolgt meist von außen über eine spezielle Steckdose. Kleine Grundlagen für den elektrischen Innenraum: CEE-Eingangssteckdose, FI-Schutzschalter, Absicherung der 12-Volt-Stromkreise und ein Trennrelais zur Bordbatterie und anderen 12-Volt-Verbrauchern.

Alle Kabel müssen dreiadrig und aus Kupfer sein. Mindestdicke 1,5 Millimeter. Der Schutzleiter muss fest mit der Karosserie verbunden sein.

Insbesondere bei Strom gilt natürlich: Hier nur die Experten ranlassen…

Das überarbeitete Merkblatt für den Umbau zum Wohnmobil ist unter shop.tuev-verband.de für einen Unkostenbeitrag downloadbar. TIPP: Hier im Suchfeld nach „Wohnmobil“ suchen, dann wird man zum Merkblatt weitergeleitet.


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